27.04.2026 |
In St. Cyriak feierte der Geistliche mit der Kirchengemeinde Acher-Renchtal einen Gottesdienst
Badische Neueste Nachrichten, 25.04.2026, Roland Spether
Oberkirch. Dass Erzbischof Stephan Burger mitten in der Woche ein Glaubensfest wie aus dem kirchlichen Bilderbuch feiern durfte, über 50 Ministranten ihn zum Foto-Casting einluden und viele Menschen ihn herzlich grüßten, kommt auch nicht alle Tage vor.
Deshalb war dem Gast aus Freiburg die Freude ins Gesicht geschrieben, als er Oberkirch besuchte und in der Pfarrkirche St. Cyriak der neuen Kirchengemeinde Acher-Renchtal einen festlichen Gottesdienst feierte.
„Ich war sehr beeindruckt und es war wunderbar, dass so viele zum Gottesdienst kamen“, meinte Erzbischof Burger kurz nach dem großen Auszug. „Man spürt hier das gute Miteinander. Ich mache mir um die Zukunft überhaupt keine Sorgen“, betonte der sichtlich gut gelaunte, dankbare und hoffnungsvolle Erzbischof von 36 neuen Pfarreien in der Freiburger Erzdiözese.
Die Kirchengemeinde Acher-Renchtal mit den leitenden Pfarrern Ralf Dickerhof (Oberkirch) und Christof Scherer (Achern) war eine weitere Station auf der Rundreise durch die neu strukturierten Pfarreien, an der auch Generalvikar Christoph Neubrand teilnahm. Im Vorfeld seines Besuches mit der Segnung des Seelsorgeteams und Gesprächen mit den Gremien beantwortet der Erzbischof Fragen unserer Zeitung.
Denn das Kirchenschiff ist aktuell in einem schwierigen Fahrwasser unterwegs, was auch in den 36 Gemeinden über vier Täler hinweg zu spüren ist. Dennoch zeichne sich nach Stephan Burger die Pfarrei St. Cyriak durch lebendige Gemeinden und große Vielfalt aus. „Gerade der Prozess der Kirchenentwicklung 2030 bietet neue Möglichkeiten, Kirche so zu gestalten, wie es die lokalen Gegebenheiten vor Ort erfordern.“
Denn die Gesellschaft verändere sich und deshalb seien lokale Besonderheiten essenziell. „Es gibt nicht mehr das eine zentrale Konzept, das vom Bodensee bis zur Tauber passt. Im Sinne der Subsidiarität wurden daher bewusst Freiräume geschaffen um vor Ort Entscheidungen treffen zu können, anstatt Vorgaben von Obern zu bekommen.“, so Erzbischof Burger.
Zum Start der neuen Strukturen stellte Burger fest, dass bei den Investituren eine „Aufbruchstimmung“ wahrnehmbar war, die hoffen lasse. „Natürlich gibt es immer einige Dinge, die verbessert werden können, denn es ist ja nicht so, dass mit dem 1. Januar 2026 ein Schalter umgelegt wurde und alles perfekt läuft.“ Doch Kirchenentwicklung 2030 besage ja auch, dass der Prozess noch andauere und ständig weiterentwickelt werden müsse.
Nach einem „Mutmacher-Tipp“ für die ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiter befragt, antwortete der Erzbischof: „Nur wenn wir selbst lernbereit bleiben, auf Gottes Wort hören, unser Leben in der Gemeinschaft Gottes und untereinander auszurichten, persönliche Interessen zugunsten der Botschaft Jesu hintenanzustellen, werden wir zu den Werkzeugen, mit denen das Reich Gottes auch in einer neuen Pfarreistruktur Gestalt gewinnen kann.“
Dazu erfordere es allerdings das Bewusstsein für Gott und die Menschen unterwegs zu sein. Diesen guten Ratschlag legte er bei seiner Predigt allen Christen ans Herz, „Wergzeuge der göttlichen Liebe“ zu sein, Jesus Christus in den Mittelpunkt zu stellen und als Berufene seine Liebe zu leben und zu bezeugen. Deutlich wurde er damit, dass jeder Christ die Kirche ausmache, seine Hände nicht in den Schoß legen dürfe und meine, es würde schon irgendwie laufen. Es brauche die Mitarbeit aller am Reich Gottes in der Gemeinschaft der Kirche und die Bereitschaft von jedem, aus einem „offenen und liebenden Herzen heraus die Freude am Evangelium Jesu zu leben“, so der große Wunsch des Erzbischofs.
Dass der große Pfarrei St. Cyriak Schritt auch einen schönen, facettenreichen Klang hat, durfte der Erzbischof mit den neuen geistlichen Liedern des Projektchores (Leitung: Zsuzsa Urban-Männle und Tobias Götz) und der festlichen Musik des Oppenauer Bläserensembles und Thomas Strauß (Orgel) erleben. Nach der feierlichen „Musica Sacra“ gab es eine Gesprächsrunde mit dem Pfarreirat, bei der die Vorsitzende Regine Schwall- Geier von „gut aufgestellten Gremien“, engagierten Mitarbeitern und einem immer besseren Miteinander berichtet.
Aber die Pfarrei sei sehr groß, viele könnten die weiten Strecken nicht zurücklegen und in manchen Gemeinden werde trotz eines großen Engagements eine „zunehmende Gleichgültigkeit“ gegenüber der Kirche spürbar.
Bei seinem Besuch in Oberkirch zeigte sich Stephan Burger (Zweiter von links) sehr beeindruckt davon, wie gute Fortschritte die neue Kirchengemeinde Acher-Renchtal mit 36 Gemeinden macht - hier mit leitenden Pfarrern (von links) Pfarrer Ralf Dickerhof, Generalvikar Christoph Neubrand und Pfarrer Christof Scherer. Foto: Roland Spether