01.06.2026 |
Das Patrozinium rückt das Thema Freiheit ins Zentrum - und die Historie der Wallfahrtskirche
Badische Neueste Nachrichten, 01.06.2026, Roland Spether
Sasbachwalden. „Hätte Gott bei der Erschaffung des Menschen auf die Freiheit verzichtet, dann gäbe es weniger Stress auf der Welt.“
Eine interessante These, die Pfarrer Werner Bauer beim Patrozinium zu Ehren der Heiligen Dreifaltigkeit in der Wallfahrtskirche in Sasbachwalden vertrat. Doch der Haken an der ziemlich gut klingenden These ist, dass der Mensch dann wie eine Marionette an den Fäden Gottes hängen würde, Gott der absolute Bestimmer wäre und Menschen, in aller Freiheit, auch nicht „Nein“ zu Gott und zum Glauben sagen könnten.
„Doch Menschen sind Geschöpfe Gottes, er mag die Menschen mit all ihren Fehlern und Schwächen und hat ihnen die Schöpfung überlassen“, so der Seelsorger. Damit übergab er den Menschen die Verantwortung und die Einladung, „mit Gott den Weg zu gehen und sich von ihm tragen zu lassen“.
War es ein Wunder der Heiligen Dreifaltigkeit, dass vor 190 Jahren der frühere Sasbacher Pfarrer Ignaz Anton Demeter zum Bischof der Erzdiözese Freiburg ernannt wurde? Ein Segen ist es bis heute zum Dreifaltigkeitsfest in Sasbachwalden, denn er war hier von 1818 bis 1833 Pfarrer, kannte die örtlichen religiösen Verhältnisse sehr genau ud vor allem das inständige Flehen der braven „Saschwaller“ Christen, endlich eine eigene Kirche zu bekommen. Nach Auflösung der Wallfahrt auf dem Sasbacher Hochfeld übertrug Bischof Demeter alle Rechte und Pflichten nach Sasbachwalden. Die neue Kirche wurde ganz im Sinne morderner Strukturen auch mit finanzieller Hilfe der Sasbacher und dem Inventar der alten Kirche gebaut, obwohl der Ortspfarrer nach Freiburg schrieb: „Die guten Leute weinten bittere Tränen auf den Trümmern.“
Diese Trauer bezog sich vor allem auch auf den prächtigen barock Hochaltar, den Meister Phillipp Winterhalder 1710 mit der Krönung Mariens durch die Heilige Dreifaltigkeit in Person von Gott als Vater, Sohn und Geist schuf. Auf dieses Geheimnis des Glaubend, dass Drei eins sein können und doch verschieden sind, verwies auch Werner Bauer bei seiner Predigt vor dem kunstvollen Hochaltar. Dabei räumte er ein, dass der Glaube eigentlich ziemlich einfach ist und nur das „Ja“ des Menschen erfordert. „Doch bei der Dreifaltigkeit des einen Gottes in drei Personen wird es kompliziert.“
Doch zum Verständnis dieses Geheimnisses Gottes legte der Kirchenchor mit seiner Dirigentin Susanne Brock (Orgel Erika Maier) eine musikalische Spur, als sie mit der Messe in G von Christopher Tambling die „Melodie Gottes“ zum Klingen brachten und die Herzen der Gottesdienstbesucher in Schwingung versetzten. Denn die schöne „Musica Sacra“ will Gott lobpreisen und die Seele der Menschen streicheln. Wer sich darauf einlässt, erfährt über die Musik, wie nachmittags in der Andacht mit der Chorgemeinschaft, wie einfach der Glaube ist. Dies erlebten seit Jahrhunderten unzählige Pilger bei der Wallfahrt in Sasbach und dann in Sasbachwalden.
Der kunstvolle Hochaltar von 1710 stand einst in der Wallfahrtskirche auf dem Sasbacher Hochfeld, er gibt figürlich Antworten auf das von Pfarrer Werner Bauer angesprochene und etwas komplizierte Geheimnis der Dreifaltigkeit Gottes. Fotot: Roland Spether